Twitter: Der Unterschied zwischen Deutschland und Österreich ist, dass unsere Sarranazis zu Wahlen antreten. #fb 2 days ago
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    Rechte Minderheitenfeststellung

    April 25th, 2010

    Die österreichische Bundespräsidentenwahl ist also gelaufen – und ich halte das Ergebnis für eine Sensation. Nicht auf den ersten, sondern auf den zweiten Blick. Die Niederlage für die Freiheitlichen ist viel desaströser, als die 15,5 Prozent für Barbara Rosenkranz zunächst den Anschein erwecken.

    Denn: Rosenkranz’ Antreten hatte natürlich nie den Zweck, die Wahl zu gewinnen. Sie sollte Stimmen für die Freiheitlichen holen, und zwar Stimmen von ÖVP und BZÖ, also aus dem bürgerlich-rechten Lager. Dort kommt Strache ja nicht ganz so gut an wie im Praterdome. Ich glaube, noch in keinem Wahlkampf hat die FP so oft und deutlich betont, eine “bürgerliche Alternative” zu bieten.

    Das strategische Kalkül ist klar: Wenn man 200.000 oder 300.000 WählerInnen anderer Parteien dazu bringt, blau zu wählen, macht ein relevanter Anteil davon es vielleicht beim nächsten Mal wieder. Vor allem das Nicht-Antreten der VP war eine historisch einmalige Chance für Strache, gerade in Hinblick auf die Wien-Wahl im Herbst. Weil es um neue WählerInnenschichten ging, war es auf den ersten Blick auch durchaus sinnvoll, dass der Dauerkandidat diesmal nicht selbst antrat.

    Im Vergleich mit der letzten Nationalratswahl war das Potential also enorm (Immerhin holte Haider damals ja auch etwa 10 Prozent der Stimmen, die nun verfügbar waren). Kein Wunder, dass Strache die Latte zunächst auf 35 Prozent legte. Bei einer solchen Konstellation konnte das Ziel gar nicht bescheidener sein. Und genau so, wie ein solches Ergebnis nicht 1:1 auf eine Nationalratswahl mit VP-Beteiligung umzulegen gewesen wäre, ist es das jetztige nicht. Es ist noch schlimmer.

    Die ohnehin verschuldete FP hat Millionen hinausgeblasen für eine Minderheitenfeststellung am extremen rechtren Rand. Sie kann weder viele VPler noch BZÖ-WählerInnen gewonnen haben. In Kärnten hat sie gar nur (ja, nur!) 20 Prozent gemacht. In Vorarlberg wurde sie dritte Kraft hinter dem Obskuranten Gering. Erst in absoluten Zahlen wird das blaue Desaster offensichtlich: Statt 857.000 Stimmen waren es diesmal nur rund 450.000! Statt bei der VP und ehemaligen Haider-WählerInnen zu punkten, hat Rosenkranz also gerade mal die Hälfte der eigenen WählerInnen an die Urnen gebracht. Die freiheitliche Basis hat sich trotz Vakuums nicht ausgedehnt, sondern ist geradezu zerfallen.

    Das ist ein Waterloo. Oder etwas milieugetreuer formuliert: ein Stalingrad. Aber immerhin wissen wir jetzt, wie viele Hardcore-Rechte es in Österreich gibt: 450.000 oder rund 7 Prozent der Wahlberechtigten.

    Und von denen lässt sich die Regierung so treiben, wie sie es oft tut? Das müsste nicht sein.


    Die nehmen sich die Zeit…

    April 20th, 2010

    Nicht-wählen ist an diesem Sonntag genau so wenig eine Alternative, wie weiß zu wählen. Das habe ich schon im vorigen Post begründet… dabei war ich allerdings nicht so elegant wie die MacherInnen dieses kleinen Videos hier:


    Warum ich Heinz Fischer wählen werde

    März 23rd, 2010

    Zunächst weil es bei dieser Wahl keine Alternative und bei dieser Alternative keine andere Wahl gibt. Ich will nicht nur, dass HeiFi Bundespräsident wird.  Sein Sieg steht außer Frage, aber das reicht nicht, ich will dass er gegen Barbara Rosenkranz ein bestmögliches Ergebnis einfährt. Ich will, dass er sie, ihr Gedankengut und ihre Partei marginalisiert. Es geht hier auch ums Symbolische.

    Um ein Zeichen zu setzen und Fischer einen möglichst deutlichen Sieg zu verschaffen ist es für mich jetzt letztlich auch richtig, dass die Grünen keine eigene KandidatIn aufgestellt haben. Dass schon sehr viele grüne FunktionärInnen öffentlich bekundet haben, Fischer zu wählen (und viele werden wohl noch folgen), ist die logische Konsequenz daraus. Das  beschämende Herumgedruckse vieler ÖVP-Funktionäre sollten wir uns nicht leisten.

    Ich werde Fischer nicht nur als geringstes Übel wählen, sondern durchaus mit Überzeugung. Ich finde, dass er einen guten Job gemacht hat. Ich schließe mich hier der Meinung von Martin Schimak an: Der Bundespräsident mag in ruhigen Zeiten ein Grüßaugust sein, aber wenn unsere Republik je in den Grundfesten erschüttert und gefährdet ist, dann wird dem Bundespräsidenten höchste Bedeutung zukommen. Dann muss dort jemand von äußerster Korrektheit sitzen. Jemand wie Heinz Fischer. Wenn er die letzten sechs Jahre nichts Aufregendes getan hat  – nichts Aufregendes zu tun hatte – dann sollte uns das freuen. Wenn er die nächsten sechs Jahre auch nicht viel zu tun bekommt, ist das das Beste, was Österreich passieren kann. (Und wer die Abschaffung des Amtes fordert, der verzichtet auf einen Feuerlöscher, nur weil es noch nie gebrannt hat. Das halte ich nicht für klug.)

    Deshalb gehe ich jetzt dann auch mit ein paar Freunden auf’s Badeschiff und feiere mit:

    Das einzige Argument, das gegen Fischer immer vorgebracht wird, ist er sei wenig mutig. Dieses alte Kreisky-Zitat, Fischer gehe immer aufs Klo, wenn es brenzlig werde (Ein Zitat, von dem nicht mal verbürgt ist, ob es stimmt). Das ist natürlich eine nette Geschichte für JournalistInnen, deshalb wurde sie auch tausend Mal wiederholt, aber dadurch wird sie nicht richtiger. Wenn Fischer einmal in seiner Amtszeit in Bedrängnis kam, dann als er gegen den Willen von Hans Dichand den Lissabon-Vertrag unterschrieben hat. Er hat den Herausgeber der Kronenzeitung in dieser Frage nicht einmal ignoriert. Das sollte zwar selbstverständlich sein, ist es aber in Österreich gar nicht. In Österreich ist sowas schon mutig. Dichands Rechnung für diese Unterschrift bekommt Heinz Fischer jetzt im Wahlkampf präsentiert und darauf steht: Barbara Rosenkranz.

    Apropos Unterschrift und Rosenkranz. Als Dichand von ihr eine eidesstattliche Erklärung zu ihrem Verhältnis zum Nationalsozialismus forderte, hat die Heldenmutter der Rechten sofort gekuscht. So brav apportiert ja nicht mal Dichands Hund, wie sie das Holzerl gebracht hat. Ohne Mut. Keine Werte. Wie devot, feige und peinlich kann eine BundespräsidentschaftskandidatIn eigentlich sein? Zu toppen ist das jedenfalls nur noch schwer.


    Nach der Volksbefragung: Post-Demokratie

    März 23rd, 2010

    Die Volksbefragung im Südburgenland ist also vorbei – Zeit, für eine kleine Nachbetrachtung.

    1. Ein Sieg für die Demokratie? Nein.  So hat der Landeshauptmann das Ergebnis peinlicherweise genannt. Peinlich deshalb, weil die Wahlbeteiligung unter jener der Wiener Volksbefragung lag, bei der es nur um Pseudothemen ging. Ach ja, stimmt, im Burgenland ging es auch nur um ein Pseudothema, denn das Erstaufnahmezentrum ist schon lange vom Tisch.

    Diese Volksbefragung war kein Akt der Demokratie, denn Demokratie heißt, dass das Volk etwas entscheiden kann. Eine Abstimmung über eine entschiedene Frage ist… wurscht. Leider. Es gäbe einige relevante Fragen, die man der Bevölkerung im Burgenland stellen könnte: Wollen Sie eine überdimensionierte Müllverbrennungsanlage in Heiligenkreuz? Eine überdimensionierte Shopping City Ost zwischen Parndorf und Neusiedl? Oder die eine oder andere Autobahn? Aber das wird alles nicht gefragt. Gefragt wird etwas, wo a) die Antwort feststeht und b)  der SPÖ-Meinung entspricht und c) Wahlkampf betrieben werden kann. Dazu fällt mir ein Zitat ein, dass ich in diesem Blog schon an anderer Stelle gebracht habe. Es ist die Definition einer Postdemokratie nach Crouch:

    Der Begriff bezeichnet ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden, Wahlen die sogar dazu führen, dass Regierungen ihren Abschied nehmen müssen, in dem aber konkurrierende Teams professioneller PR-Experten die öffentliche Debatte während der Wahlkämpfe so stark kontrollieren, das sie zu einem reinen Spektakel verkommt, bei dem man nur über eine Reihe von Problemen diskutiert, die die Experten zuvor ausgewählt haben. Die Mehrheit der Bürger spielt dabei eine passive, schweigende ja sogar apathische Rolle, sie reagieren nur auf die Signale, die man ihnen gibt. (Crouch 2008)

    Diese Volksbefragung war ein Musterbeispiel einer postdemokratischen Kampagne. Es geht dem Landeshauptmann schon lange nicht mehr um reale Politik, um eine Lösung des Problems. Es geht nur um eine Inszenierung. Eberau ist dem Landeshauptmann völlig egal und das gilt auch für all die anderen jetzt befragten Gemeinden. Dem Landeshauptmann geht es einzig und allein um die Verteidigung seiner absoluten Mehrheit, dazu ist er bereit auch noch die letzten fremdenfeindlichen Stimmen aus dem Asylsystem zu quetschen. Die Menschen benutzt er dafür nur, die SüdburgenländerInnen genau so wie die Flüchtlinge. Das sind Schachfiguren für ihn, die er gegeneinander ausspielt. Das ist das Erschütternde daran.

    Es gab eine Zeit – ich war damals 19 – da sind die SozialdemokratInnen gemeinsam mit den Grünen, aber auch mit Liberalen, Christlich-Sozialen und KommunistInnen, beim Lichtermeer gestanden und haben gegen das Anti-Ausländer-Volksbegehren von Jörg Haider demonstriert. Wir haben gemeinsam dagegen protestiert, dass in einer Demokratie solche politischen Methoden gegen Menschen eingesetzt werden. Und heute verwendet Hans Niessl genau diese Methoden selbst. Nun hatte die SPÖ ihr eigenes Anti-Ausländer-Volksbegehren. Das ist das wirklich Traurige. Und deshalb ist es unvermeidbar, dass wir Grünen die Hauptkonfrontation in diesem Landtagswahlkampf mit dem Landeshauptmann suchen.

    2. Ein Sieg für die Sozialdemokratie? Kommt auf die Sichtweise an. Die Strategie der SPÖ-Spitze für die bevorstehende Wahl ist klar: Die FPÖ auf deren eigenem Feld zu schlagen. Asyl, Sicherheit, Assistenzeinsatz, Kriminalität, Ostbanden, Zuwanderung, Sozialmissbrauch und und und, das sind die Themen, auf die der Landeshauptmann und sein engeres Beraterteam (gendern überflüssig) setzen. Nach allem was man hört sind sie mit der Zwischenbilanz hochzufrieden, die Strategie wird beibehalten werden. Kann das funktionieren?

    Kurzfristig vielleicht, wenn man den Erfolg alleine an den Stimmen misst und alle Kollateralschäden außer Acht lässt. Langfristig wäre aber ein solcher Erfolg Gift für die SPÖ und ein Desaster für die Republik. Der rechte Flügel in der SPÖ würde endgültig die Macht übernehmen, all die Löschnaks, Schlögls, Niessls und Darabosche hätten Oberhand. Der linke Flügel, der gerade versucht sich Gehör zu verschaffen, wäre auf lange Zeit marginalisiert. Wie Voves seine Landtagswahl anlegen würde, kann man sich denken und auch Häupl würde dem innerparteilichen Druck nachgeben. (Siehe auch: Warum die Sozialdemokratie keine Zukunft hat.)

    Die Burgenland-Wahl wird so zur Entscheidungswahl für die Kanzlerpartei SPÖ. Und damit auch für uns Grüne, denn wir werden danach wohl die letzte linke Kraft in den (Länder-)Parlamenten sein.

    3. Ein Sieg für die Demokraten? Ja, ein kleiner. Die Plattform “Unser Burgenland ist anders”, die ich gemeinsam mit einigen anderen ProponentInnen gründen durfte, hat unaufgeregt 1.500 Stimmen gegen den Rechtspopulismus bei dieser Volksabstimmung gesammelt. Das ist eine Menge, genau genommen drei Mal mehr, als wir uns als Ziel gesetzt hatten. Es ist im Burgenland nicht ganz so leicht, mit Namen und Anschrift öffentlich gegen den Landeshauptmann aufzustehen. Das erfordert eine Menge Mut und daher ist jeder einzelnen UnterzeichnerIn zu danken.


    Den GenossInnen ins Stammbuch geschrieben

    März 17th, 2010

    Am Sonntag hält die SPÖ im Südburgenland ihre Volksbefragung über ein Asylerstaufnahmezentrum ab, das schon gar nicht mehr geplant ist. Einziger Grund, das zu tun: Das Buhlen um fremdenfeindliche Stimmen, der Wettlauf mit der FPÖ. Unter die Räder kommen dabei die AsylwerberInnen: Vorige Woche wurde ich bei einer Podiumsdiskussion Zeuge, wie ein Publikumsteilnehmer allen Ernstes forderte, AsylwerberInnen mit Chips unter der Haut zu kennzeichnen. Wie Hunde. Vom Landeshauptmann am Podium kam kein Wort des Einspruchs – wie auch, hatte er doch zuvor alles getan, um die Stimmung so anzuheizen.

    Eine Schande, wozu diese SPÖ verkommt. Immerhin war ihr prägendster Parteivorsitzender, Bruno Kreisky, ab 1938 im Exil in Schweden, wo er um Asyl ansuchte und es auch erhielt.


    Warum ich kandidiere

    Februar 28th, 2010

    Ich werde bei der Landtagswahl im Burgenland als Spitzenkandidat für die Grünen antreten. Warum? Weil es aus meiner Sicht drei wichtige politische Themen gibt, denen wir uns stellen müssen. Alle drei Themen sind große Brocken, größer als das Burgenland, aber wir müssen sie in kleinen Schritten lösen. Wie heißt es so schön: Global denken, lokal handeln.

    Erstens, natürlich, die Umweltpolitik: Österreich ist das einzige westeuropäische Land, das seine Klimaschutzziele nicht erreicht – da helfen auch keine Imagekampagnen des Umweltministers, das wird Millionenstrafen kosten. Das Burgenland ist besser dran – sagt die Imagekampagne der Landesregierung. Tatsächlich ist in den letzten zehn Jahren viel passiert. Als die Grünen damals in den Landtag einzogen und Modelle von Windrädern auf ihren Pulten aufstellen, wurden sie belächelt. Heute lächelt niemand mehr, ganz im Gegenteil. Die Landesregierung will nun das ganze Nordburgenland mit großen Windparks zubauen, weil einige Konzerne das große (Subventions)Geschäft wittern. Wir Grüne sind schon wieder zehn Jahre weiter: Nicht Konzerne sollen verdienen, sondern einzelne Haushalte. Wir wollen Energie erstens sparen und zweitens dezentral erzeugen. Wetten, dass das in zehn Jahren die große Imagekampagne der Landesregierung sein wird?

    Zweitens: Green Jobs, das sind solche, die lokal verankert sind. Viele alte (Industrie-)Branchen brechen zusammen oder wandern in Billiglohn-Länder ab, klassische Großbetriebe kommen nur noch, wenn sie mit Millionensubventionen geködert werden. Sind die Subventionen weg, gehen auch die Konzerne. Was bleibt, sind Dörfer ohne Kleinbetriebe, ohne Infrastruktur, ohne Perspektiven. Und damit ohne junge Menschen. Also müssen wir Jobs schaffen, die nicht abwandern können. Zum Beispiel, indem wir mit einer Sanierungsoffensive das kleine, heimische Bau- und Baunebengewerbe fördern. Oberösterreich, wo die Grünen seit sechs Jahren mitregieren, konnte sich als ein internationaler Top-Standort für Umwelttechnik etablieren. Während der Wirtschaftskrise wurden dort 16.000 neue Jobs geschaffen. Das Burgenland zieht jetzt zaghaft nach. Wenn die nächste Krise kommt, sollten wir aber schon vorne weg sein. Noah hat ja seine Arche auch gebaut, bevor es geregnet hat.

    Der Begriff „Green Jobs“ umfasst auch Berufe im Sozial- und Bildungsbereich. Kranken- und Altenpflege, Nachmittagsbetreuung von SchülerInnen und natürlich LehrerInnen und KindergartenpädagogInnen. Das sind Berufe mit hohem Wert für die Gesellschaft und besonders schlechten Arbeitsbedingungen. Aber gerade außerhalb der Ballungszentren bieten sie jene soziale Infrastruktur, die wir benötigen.

    Und dann, drittens, das Mega-Thema „Ausländer und Sicherheit“, wo verknüpft wird, was gar nicht zusammen gehört: Asyl, Zuwanderung und grenzüberschreitende Kriminalität zum Beispiel. Das Burgenland ist eine der sichersten Regionen Österreichs (eines der sichersten Staaten der Welt), die Ostgrenzen weisen weniger illegale Übertritte auf als die Grenze zu Italien, aber trotzdem: Im Burgenland laufen 19jährige Soldaten ohne qualifizierter Ausbildung, dafür aber mit Sturmgewehren durch die Gegend. Sowas ist bisher nur aus Diktaturen bekannt und natürlich nicht verfassungskonform. Die Erfolgsbilanz dieses teuren Dauereinsatzes ist mickrig und tatsächlich bestätigt selbst die Regierung: Es geht nicht darum, wirklich die Sicherheit heben, sondern nur das „subjektive Sicherheitsgefühl“ der Bevölkerung.

    Nur, woher kommt diese Angst? Sie wird geschürt, und das von ganz oben: Um den Freiheitlichen keinen Platz zugeben, spielt  der Landeshauptmann selbst den rechten Flügelstürmer. In der Debatte um das Asylerstaufnahmezentrum in Eberau war er in seiner Diktion nicht mehr von der FP zu unterscheiden. Nun besteht er aus wahltaktischen Gründen darauf, im ganzen Südburgenland eine Volksbefragung über Asylzentren durchzuführen, obwohl keines mehr geplant ist. Seine FunktionärInnen laufen durch die Dörfer und sammeln Unterschriften für die Petition „Asyl mit Maß und Ziel“ – nicht nur der Klang des schlechten Reimes erinnert an die Freiheitlichen. Unglaublich, aber wahr: Fast zwanzig Jahre nach der FPÖ hat nun auch die SPÖ ihr Anti-Ausländer-Volksbegehren.

    Und die angeblich christlich-soziale ÖVP? Die ist gelähmt, denn sie hat bis zum Wahlkampf alles mitgetragen; den Assistenzeinsatz genauso wie die Asylpolitik ihrer Innenministerin.

    In diesem Umfeld haben die Grünen eine wesentliche Aufgabe: Den Verstand zu bewahren. Wir müssen diesem populistischen Wettrennen am rechten Rand entgegentreten und laut und deutlich all das einfordern, was die Linken Solidarität und die Christlich-Sozialen Nächstenliebe nennen. Diese Werte werden nur noch bei den Grünen vertreten und deshalb kandidiere ich für sie.

    Unser voller Name lautet „Die Grüne Alternative“ – und genau diese möchte ich bieten: Politik soll wieder sachlich, zukunftsorientiert, langfristig denkend und vor allem einfach menschlich sein.


    Blog-Transfer

    Februar 28th, 2010

    Bisher war reimon.net eine statische Website, die ich für meine Selbständigkeit genutzt habe. Gebloggt habe ich unter betathoughts.wordpress.com, vorwiegend über Politik und Medien. Nun habe ich beide Seiten unter dieser Adresse zusammengeführt (und von beiden einiges weggelassen). Denn klassische Websites sind ja sooo Nuller-Jahre…


    Postjournalismus live: Deutschlands vierte Macht ist mausetot

    Oktober 25th, 2009

    Es kommt nicht oft vor, dass eine Pressekonferenz mehr über den Zustand der Medien enthüllt, als über den Zustand der Politik. Die Antritts-PK der schwarzgelben Koalition war ein solcher Moment… Als ich mein Projekt Postjournalismus gestartet habe, beschrieb ich das aktuelle Verhältnis von Medien und Demokratie so:

    Medien, die die journalistischen Aufgaben ausreichend erfüllen, müssten [...] eine kritische Öffentlichkeit herstellen, einen Diskurs, wie er für jede Demokratie lebensnotwendig ist. Sie müssten vierte Macht sein, ein Gegengewicht zu den ersten drei Mächten. Doch in der Postdemokratie sind sie einfach nur Teil des Systems und haben nicht mehr die Kraft, selbst die gravierendsten Fehlentwicklungen durch journalistische Arbeit zu verhindern.

    Eine postjournalistische Medienwelt ist nicht erst dann “erreicht”, wenn der letzte Journalist aufgehört hat, kritische Fragen zu stellen. Sie ist schon viel früher erreicht, nämlich dann, wenn selbst kritische Fragen keinerlei Wirkung mehr haben.

    Dass der Fragesteller Holländer ist und keinerlei Unterstützung deutscher JournalistInnen bekam, lässt nur noch einen Befund zu: Die vierte Macht in Deutschland ist mausetot. Alle Super-Top-QualitätsjournalistInnen, die den Kollegen hier allein gelassen haben, sollen sich was schämen. Nein, besser: Sie sollten den Job wechseln. Still und mit gesenktem Haupt.

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    Die Koalition der Angepassten

    Oktober 24th, 2009

    Die neue deutsche Bundesregierung aus CDU/CSU/FDP scheint, was die Zusammensetzung ihrer Spitzenpositionen angeht, progressiv wie keine andere weltweit:

    Bild 1

    Und das, obwohl sie sich eindeutig als “rechts” versteht und wohl über weite Teile auch als “wertkonservativ” (der FDP kann man gesellschaftsliberale Ansätze nicht absprechen, aber definierend ist für sie sicher der Wirtschaftsliberalismus). Wie kann das sein? Warum ist eine rechte Regierung auf den ersten Blick deutlich diverser als es zum Beispiel vor einigen Jahren die rot-grüne Regierung war?

    Das ist kein Zufall und, gerade was die Frau an der Spitze angeht, kein Einzelfall: Seit Margaret Thatcher kommen mehr Frauen in politischen Spitzenpositionen aus konservativen Parteien als aus progressiven. Warum?

    Weil sie sich anpassen. Merkel ist nie, keine Sekunde, eine Vertreterin der Frauen. Westerwelle ist nie, keine Sekunde, ein Vertreter der Homosexuellen. Schäuble ist nie, keine Sekunde, ein Vertreter der Menschen mit Behinderung. Rösler ist nie, keine Sekunde, ein Vertreter der MigrantInnen. Sie bekämpfen die Machtstrukturen unserer Gesellschaft nicht, sie spielen mit – und sie schaffen es nach vorne, ohne an den Verhältnissen zu rütteln (Bei Schäuble muss es heißen: bleiben vorne.)

    Und die progressive Erfolgsstory, auf die die ganze Welt schaut? Nun, Barack Obama ist nie, keine Sekunde, ein Vertreter der ethnischen Minderheiten in den USA. Nur so war er mehrheitsfähig. Und doch ist sein Erfolg  eine Folge der Bürgerrechtsbewegung.

    Auch Merkel, Westerwelle, Schäuble und Rösler können diese Regierung überhaupt nur bilden, weil die 68er die Gesellschaft verändert haben. Soll noch jemand sagen, die Geschichte hätte keinen Sinn für Ironie…

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    Journalismus, Popkultur, Qualitätskrise: Es sind die Erbsenzähler, nicht die Technik

    Oktober 4th, 2009

    Journalisten-Legende Gay Talese erzählt in diesem Interview für big think, wie hochwertiger Magazin-Journalismus vor einigen Jahrzehnten funktioniert hat: Man hatte viel Zeit und ausreichende Budgets, um diese Zeit auch zu nutzen. Irgendwann begann sich die Situation zu ändern: Talese macht das am Kassettenrecorder fest, der es Journalisten gestattete, nach einer Stunde Interview mit genügend “O-Tönen” ausgestattet zu sein, um einen Artikel zu schreiben. Aber nur in einem Nebensatz erwähnt er, was ich für viel wichtiger halte: Die Herausgeber hatten ein großes Interesse daran, die Kosten für Journalismus zu senken und der Kassettenrecorder bot ihnen die Möglichkeit dazu.

    Talese hat über das Showbiz noch journalistisch berichtet: Für sein berühmtes Esquire-Portrait von Frank Sinatra blieb er mehrere Wochen in L.A. und recherchierte auf eigene Faust in Sinatras weiterem Umfeld. Heute ist so etwas schon fast undenkbar – die Spesen für Showbiz-Reportagen und -Interviews übernehmen schon lange jene Konzerne, über deren Produkte dann geschrieben wird. Den Managern der Plattenfirmen ist das lieber, weil sie das Marketing besser steuern können und den Managern der Magazine ist es lieber, weil die Kosten sich auf ein paar hundert Euro Texthonorar beschränken (Fotos werden gratis mitgeliefert). Oft genug gehören ohnehin beide demselben Mutterkonzern an.

    Was bleibt, ist Postjournalismus: Ein von PR-Interessen gesteuertes Geschreibsel, das keine kritische Öffentlichkeit herstellt. Der Kassettenrecorder war früher nicht schuld daran, genau so wenig wie das Internet heute. Es sind die Erbsenzähler, die den Journalismus töten.

    Aber dort, wo die Erbsenzähler nichts zu sagen haben, gibt es auch keine Qualitätskrise. Ganz im Gegenteil: Wenn ich in letzter Zeit etwas Interessantes über Popkultur gelesen habe, dann war das immer online und meistens nicht kommerziell. Die Texte sind anders: kurz, mit viel weniger Hintergrundinformation, radikal subjektiv und oft ohne einen einzigen O-Ton, weil es gar kein Interview gab.

    Die Reportagen von barocker Üppigkeit kommen vermutlich nicht zurück, aber die kritische öffentliche Diskussion schon. Die Möglichkeiten sind enorm: Man kann einfach einen Menschen, der etwas zu sagen hat, vor eine Videokamera setzen und das ganze auf YouTube stellen. Ganz ohne Interview, ohne Q&A und praktisch ohne Kosten. Nicht schlecht, oder?