Warum ich Heinz Fischer wählen werde
March 23rd, 2010Zunächst weil es bei dieser Wahl keine Alternative und bei dieser Alternative keine andere Wahl gibt. Ich will nicht nur, dass HeiFi Bundespräsident wird. Sein Sieg steht außer Frage, aber das reicht nicht, ich will dass er gegen Barbara Rosenkranz ein bestmögliches Ergebnis einfährt. Ich will, dass er sie, ihr Gedankengut und ihre Partei marginalisiert. Es geht hier auch ums Symbolische.
Um ein Zeichen zu setzen und Fischer einen möglichst deutlichen Sieg zu verschaffen ist es für mich jetzt letztlich auch richtig, dass die Grünen keine eigene KandidatIn aufgestellt haben. Dass schon sehr viele grüne FunktionärInnen öffentlich bekundet haben, Fischer zu wählen (und viele werden wohl noch folgen), ist die logische Konsequenz daraus. Das beschämende Herumgedruckse vieler ÖVP-Funktionäre sollten wir uns nicht leisten.
Ich werde Fischer nicht nur als geringstes Übel wählen, sondern durchaus mit Überzeugung. Ich finde, dass er einen guten Job gemacht hat. Ich schließe mich hier der Meinung von Martin Schimak an: Der Bundespräsident mag in ruhigen Zeiten ein Grüßaugust sein, aber wenn unsere Republik je in den Grundfesten erschüttert und gefährdet ist, dann wird dem Bundespräsidenten höchste Bedeutung zukommen. Dann muss dort jemand von äußerster Korrektheit sitzen. Jemand wie Heinz Fischer. Wenn er die letzten sechs Jahre nichts Aufregendes getan hat – nichts Aufregendes zu tun hatte – dann sollte uns das freuen. Wenn er die nächsten sechs Jahre auch nicht viel zu tun bekommt, ist das das Beste, was Österreich passieren kann. (Und wer die Abschaffung des Amtes fordert, der verzichtet auf einen Feuerlöscher, nur weil es noch nie gebrannt hat. Das halte ich nicht für klug.)
Deshalb gehe ich jetzt dann auch mit ein paar Freunden auf’s Badeschiff und feiere mit:
Das einzige Argument, das gegen Fischer immer vorgebracht wird, ist er sei wenig mutig. Dieses alte Kreisky-Zitat, Fischer gehe immer aufs Klo, wenn es brenzlig werde (Ein Zitat, von dem nicht mal verbürgt ist, ob es stimmt). Das ist natürlich eine nette Geschichte für JournalistInnen, deshalb wurde sie auch tausend Mal wiederholt, aber dadurch wird sie nicht richtiger. Wenn Fischer einmal in seiner Amtszeit in Bedrängnis kam, dann als er gegen den Willen von Hans Dichand den Lissabon-Vertrag unterschrieben hat. Er hat den Herausgeber der Kronenzeitung in dieser Frage nicht einmal ignoriert. Das sollte zwar selbstverständlich sein, ist es aber in Österreich gar nicht. In Österreich ist sowas schon mutig. Dichands Rechnung für diese Unterschrift bekommt Heinz Fischer jetzt im Wahlkampf präsentiert und darauf steht: Barbara Rosenkranz.
Apropos Unterschrift und Rosenkranz. Als Dichand von ihr eine eidesstattliche Erklärung zu ihrem Verhältnis zum Nationalsozialismus forderte, hat die Heldenmutter der Rechten sofort gekuscht. So brav apportiert ja nicht mal Dichands Hund, wie sie das Holzerl gebracht hat. Ohne Mut. Keine Werte. Wie devot, feige und peinlich kann eine BundespräsidentschaftskandidatIn eigentlich sein? Zu toppen ist das jedenfalls nur noch schwer.


