Den GenossInnen ins Stammbuch geschrieben
Am Sonntag hält die SPÖ im Südburgenland ihre Volksbefragung über ein Asylerstaufnahmezentrum ab, das schon gar nicht mehr geplant ist. Einziger Grund, das zu tun: Das Buhlen um fremdenfeindliche Stimmen, der Wettlauf mit der FPÖ. Unter die Räder kommen dabei die AsylwerberInnen: Vorige Woche wurde ich bei einer Podiumsdiskussion Zeuge, wie ein Publikumsteilnehmer allen Ernstes forderte, AsylwerberInnen mit Chips unter der Haut zu kennzeichnen. Wie Hunde. Vom Landeshauptmann am Podium kam kein Wort des Einspruchs – wie auch, hatte er doch zuvor alles getan, um die Stimmung so anzuheizen.
Eine Schande, wozu diese SPÖ verkommt. Immerhin war ihr prägendster Parteivorsitzender, Bruno Kreisky, ab 1938 im Exil in Schweden, wo er um Asyl ansuchte und es auch erhielt.


“…AsylwerberInnen mit Chips unter der Haut zu kennzeichnen. Wie Hunde.”
Wie bereits ziemlich viele Lebewesen. Wir sind am besten Weg dorthin, die Hemmschwelle soweit herabzusetzen, dass das Chippen von Menschen Standard wird.
Biometrische Pässe sind bereits out. RFID chips (Radiofrequenzidentifikation), die direkt unter der Haut platziert werden, sind das neue Zauberwort in punkto “Weltsicherheit”.
Nebenbei dient der neue Chip auch gleich als Sozialversicherungs- und Kreditkarte. Was das impliziert, darüber kann gerne nachgedacht werden.
Bert Brecht schau oba (“Nur die dümmsten Kälber, wählen ihre Schlächter selber”).
Kreisky ist aber nicht ganz vergleichbar. Denn er blieb im selben Kulturkreis. Und die heutigen “Asylanten” wandern dagegen tausend Kilometer. Es kann mir keiner erzählen, dass ganz Afrika oder ganz Asien ein Ausfluchtsland sind. Wenn dem so wäre, wäre das ja geradezu eine Einladung bis Aufforderung zur Neukolonisierung jener Gebiete. Die Moral ist jedenfalls sehr sehr doppelgründig (ehrlos?), mit Staaten, aus denen Menschen politisch flüchten, trotzdem diplomatische (die gingen vielleicht noch) und sogar wirtschaftliche Beziehungen zu unterhalten.